Frauen auf sich selbst gestellt

 

Ulla Groskurt: Über aktivierende Arbeitsmarktpolitik neu nachdenken.

„Von arbeitsmarktpolitischen Förderprogrammen, wie den so genannten Eingliederungszuschüssen, bei denen die Arbeitsagenturen einen Teil der Lohnzahlung übernehmen, profitieren Männer weit stärker als Frauen“, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) Ulla Groskurt in einer Stellungnahme.

Dass Frauen weniger gefördert werden, belegt eine jetzt vorgelegte Studie, die das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) zusammen mit weiteren Forschungseinrichtungen im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums erstellt hat. Die Wissenschaftler haben die Umsetzung der Hartz-IV-Reform aus Geschlechtersicht untersucht und festgestellt, dass die Gleichstellungspolitik "bislang nicht systematisch in die Prozesse und Abläufe" der Jobcenter integriert ist. In der Praxis treten Gleichstellungsziele regelmäßig in den Hintergrund.

In dem jetzt vorliegenden 300 Seiten umfassenden Abschlussbericht werden eine Menge von Anregungen und Hinweise gegeben diesen nicht tragbaren Zustand, so Ulla Groskurt, zu verändern. Es darf nicht folgenlos bleiben, dass die Frauenförderquote deutlich unterschritten wurde. Bislang fehlt es häufig an den organisatorischen Voraussetzungen, um Gender-Aspekte angemessen zu berücksichtigen, zeigt die Analyse. Bessere Gleichstellungsangebote bei einigen Grundsicherungsstellen gehen der Studie zufolge meist auf das Engagement einzelner Mitarbeiter oder Anstöße aus der Kommunalpolitik zurück. Wie groß die Diskrepanzen bei der Förderung von Frauen und Männern sind, zeigen auch die neuesten Daten des Gender-Index für Deutschland: Im Jahr 2007 bekamen von 1.000 männlichen Langzeitarbeitslosen in vielen Regionen mehr als 40 Eingliederungszuschüsse, um wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bei Frauen lag der vergleichbare Wert meist unter 20. Bei Abgängen aus dem Hilfebezug waren die Geschlechterunterschiede laut Studie auch nicht akzeptabel. Männer gingen zu 75 Prozent in Erwerbstätigkeit über, während der Anteil bei den Frauen nur 52 Prozent betrug. Erschreckend auch, dass das Thema „Kinderbetreuung“ nach Aussagen von Fallstudien in den Beratungsgesprächen nur „selten“ angesprochen worden sei. Und selbst wenn dieses erfolgte, wurden nur in weniger als einem Drittel der Fälle unterstützende Maßnahmen eingeleitet.

Dem überdeutlich gewordenen Dilemma ist auf der Umsetzungsebene nicht allein mit gleichstellungspolitischen Instrumenten beizukommen, so die ASF-Vorsitzende. Hier muss über die grundsätzliche Ausrichtung der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik nachgedacht werden. Zur Verbesserung der Teilhabechancen von Männern und Frauen wären nicht nur mehr Fachkräfte erforderlich sondern auch andere Steuerungsprozesse, die insgesamt ein stärkeres Gewicht auf die Qualität und Integration von Unterstützungsangeboten legen. Allemal muss dieses Thema auch bei uns auf den Tisch, so die ASF Landesvorsitzende Ulla Groskurt. Die Hans Böckler Stiftung, die diese Studie weiter aufgearbeitet hat, zeigt in Niedersachsen eine sehr unterschiedliche Ausprägung der Berücksichtigung von Frauen in den verschiedenen Regionen und es kann ja wohl nicht sein, dass in Landkreis Rothenburg anders entschieden wird als im Emsland oder Hannover, in der Stadt Osnabrück anders als in dem daneben liegenden Landkreis. Darüber hinaus gehe ich auch davon aus, dass dieses Thema in den Gesprächen der ASF auf Bundesebene eine entsprechende Rolle spielen wird, so die Niedersächsische ASF-Vorsitzende abschließend.

 
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