Betreuungsgeld ist Signal in die falsche Richtung

 

Ulla Groskurt: Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen

Anlässlich der Koalitionsvereinbarungen von CDU/CSU und FDP zum Betreuungsgeld erklärt die SPD-Landtagsabgeordnete und Niedersächsische Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) Ulla Groskurt:

„Mit der im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP beschlossenen Einführung eines Betreuungsgeldes von monatlich 150 Euro ab 2013 für Familien, die ihre Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen, werden fatale bildungs-, arbeitsmarkt- und gleichstellungspolitische Fehlanreize gesetzt. Damit werden überkommene Rollenmuster zwischen Männern und Frauen zementiert, und es werden Frauen benachteiligt, die Familien- und Erwerbsarbeit vereinbaren wollen.“

Sie weist darauf hin, dass durch das Betreuungsgeld vor allem Kinder aus benachteiligten Familien schlechtere Bildungschancen erhalten. Denn gerade für sie ist das Betreuungsgeld ein sehr hoher Anreiz, ihre Kinder zu Hause zu behalten. Studien zeigen jedoch, dass Kinder von einem frühen Besuch guter Kindertagesstätten profitieren. „Das bedeutet vor allem, eine bessere Integration, einen besseren Spracherwerb und eine bessere Bildung“, so die Osnabrücker Landtagsabgeordnete. „Gerade soziale Kontakte zu Gleichaltrigen sind eine der wichtigsten Grundlagen, die wir Kindern für ihren Lebensweg mitgeben können.“

Groskurt: „Die Begründung, ein Betreuungsgeld sei wegen der finanziellen Balance und Wahlfreiheit erforderlich, ist abwegig. Solange der Staat die klassische Rollenzuweisung mit zweistelligen Milliardenbeträgen, beispielsweise durch das Ehegattensplitting und die beitragsfreie Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung fördert, aber nur unzureichend Geld für Krippenplätze zur Verfügung stellt, gibt es keine echte Wahlfreiheit und keine finanzielle Balance.“

Die meisten jungen Frauen und auch immer mehr Väter wünschen sich heute beides: Erfüllung finden in Familie und Beruf. Nur rund fünf Prozent der jungen Frauen wollen ausschließlich Mutter und Hausfrau sein. Anstatt den Ausbau der Kindertagesstätten schneller voranzutreiben und hierfür mehr Bundesmittel bereitzustellen, damit auch Länder wie Niedersachsen endlich voran kommen, wird dieses Geld für überholte Familienpolitik ausgegeben.

Groskurt weist darauf hin, dass ein Wiedereinstieg junger Frauen nach einer Kinderbetreuungszeit zu Hause in das Erwerbsleben schwierig ist. Weniger Rente und Altersarmut werden damit oft vorprogrammiert. „Es ist fatal, dass für das Betreuungsgeld Milliarden ausgegeben werden sollen, um damit Frauen eine „Zuhausebleibprämie“ zahlen zu können. Milliarden, die besser in die frühkindliche Bildung von Kindern investiert werden sollten“, so Groskurt abschließend.

 
    Gleichstellung
 

 


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