Zahl der Geringverdiener steigt drastisch

 

Ulla Groskurt: Wir können uns diese Ungerechtigkeit nicht leisten

„Es ist an der Zeit, das Thema Niedriglohn in Deutschland ohne Polemik anzupacken“, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und Landtagsabgeordnete Ulla Groskurt. Dabei gehe es nicht nur um den jetzigen skandalösen Zustand der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland, sondern auch um die Folgeentwicklungen.

Seit Mitte der 90iger Jahre ist der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten deutlich gestiegen. „Es sollte uns alle wachrütteln“, so die ASF-Vorsitzende, „wenn die jetzt veröffentlichte Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (Universität Duisburg-Essen) im Gesamtzeitraum von 1995 bis 2007 einen Anstieg von 2,1 Millionen, immerhin einen Anstieg von fast 50 Prozent, ermittelt hat.“ Besorgniserregend ist auch, dass in diesem Zeitraum der höchste Zuwachs im Bereich der Vollzeitbeschäftigten liegt.

Nach den Analysen der Studie verdienen von rund 30 Millionen Beschäftigten etwa 1,2 Mio. weniger als 5 €, knapp 2,2 Mio. liegen unterhalb 6 €, knapp 3,7 Mio. unterhalb von 7 €, gut 5 Mio. unterhalb von 8 € pro Stunde. Bezogen auf die Niedriglohnbeschäftigten heißt das, dass knapp ein Drittel für einen Bruttostundenlohn von weniger als 6 € arbeitet. Besonders besorgniserregend ist, dass knapp ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten weniger als 5 € pro Stunde verdienen. „Das bedeutet“, so die ASF Vorsitzende, „dass sie trotz Vollzeitarbeit nicht mehr als rund 800 € brutto verdienen“. Das widerspricht der Argumentation der Gegner eines gesetzlichen Mindestlohns, dass Beschäftigte mit sehr niedrigen Stundenlöhnen vorwiegend in Teilzeit beschäftigt sind und auf einen Verdienst zur Sicherung des Lebensunterhaltes nicht angewiesen sind. Die Untersuchung zeigt, dass unter den Beschäftigten, die weniger als 7 € erhalten, Vollzeitbeschäftigte mit gut 45 Prozent schon fast die Hälfte der Betroffenen ausmachen.

„Dass Frauen zu fast 70 Prozent dem Niedriglohnsektor angehören, ist leider nicht überraschend,“ so die ASF Landesvorsitzende. „Erstaunlicher für mich ist, dass Beschäftigte ohne abgeschlossene Berufausbildung im Jahr 2007 nur noch 21 Prozent aller Niedriglohnbeschäftigten stellen und dass sich der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung von 58,5 Prozent in 1995 auf 70,8 Prozent in 2007 deutlich erhöht hat. Wenn man die Beschäftigten mit einem akademischen Abschluss hinzu nimmt, sind mittlerweile vier von fünf Niedriglohnbeschäftigte in Deutschland qualifiziert.“

„Diese Analyse ist nicht nur Anlass zum Nachdenken, “ so die Landesvorsitzende, „sondern für mich auch Aufforderung zum Handeln. Das überproportionale Ansteigen der Beschäftigten im Niedriglohnsektor bedeutet, dass mittelfristig die „Altersarmut“ deutlich erhöht wird, ein weiteres großes Problem, das uns in Zukunft beschäftigten wird.“

 
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