Jahrzehntelang: Schritte vor und zurück

 

<b>Seit dem 1. Juli 1958 ist das Gesetz über die Gleichberechtigung auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts in Kraft</b>

Im Mai 1957 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts – Am 1. Juli 1958 trat es in Kraft. Ungeachtet nicht zu übersehender Fortschritte besteht heute noch ein eklatanter Widerspruch zwischen „gefühlter Gleichberechtigung“, also dem was jungen Frauen heute möglich zu sein scheint, und den strukturellen Rahmenbedingungen.
Es hat die Frauenbewegung der ersten Stunde gegeben, die sich von einer so genannten „Normalisierung“ wieder in ein Leitbild von Ehe und Kernfamilie hineindrängen ließ. Obwohl Frauen und vor allem Mütter in der Kriegs- und Nachkriegszeit auf sich allein gestellt, das Leben unter schwierigsten Bedingungen gemeistert hatten, und dies die eigentliche „Stunde der Frauen“ war.

Frauenpolitik regelt die „Sanfte Macht der Familie“

Es hat die Frauenbewegung der 70ger und 80ger Jahre gegeben, die kein Verein von Latzhosen tragenden Klageweibern war, sie hat es endlich geschafft Zumutungen, Zwänge und Ungerechtigkeiten in die öffentliche Diskussion zu bringen die bis dahin selbstverständlich erschienen. Kern der Ziele war die Befreiung von persönlichen Abhängigkeiten. In der Zeit wurde in den Leitsätzen der Christlichen Arbeitnehmerschaft noch „Die sanfte Macht der Familie“ als Markenzeichen christdemokratischer Familienpolitik propagiert.

Frauen haben es auch nicht geschafft für ost- und westdeutsche Frauenanliegen in den Jahren um 1989 eine gemeinsame Plattform zu finden. Anfang 1990 glaubten Politiker und Meinungsmacher noch, dass die hohe Erwerbstätigenquote der ostdeutschen Frauen auf der Wege der Anpassung an westdeutsche Verhältnisse zu „normalisieren“ sei. Und so fällt es schwer zu glauben, dass Politik wirklich verinnerlicht hat, dass unsere Wirtschaft im globalen und europäischen Wettbewerb nur bestehen kann, wenn weibliche Kompetenz und Qualifikation genutzt werden.
Tatsächlich haben jungen Frauen heute andres als ihre Mütter zumindest bis zum Eintritt in den Beruf bzw. bis zum ersten Kind in der Regel wenig geschlechtsspezifische Ungerechtigkeiten zu erfahren. Allerdings bleibt ungeachtet aller Kämpfe für junge Frauengenerationen – genau so wie für ihre Mütter - die Frage einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf weitgehend unbeantwortet. Während sich die Strukturen einer nach wie vor schlechteren Bezahlung, einer schlechteren Stellung im Beruf und einer im Vergleich zu den Männern miserablen Absicherung im Alter unter einer neuen politischen Überschrift verfestigt. Angesichts neuer Wahlfreiheiten steht der Kernsatz: „Jeder und jede ist für sich selbst verantwortlich, weil nur noch die Leistung zählt“ wieder hoch im Kurs. Gefährlich, weil er gesellschaftliche Notwendigkeiten wieder einmal zu persönlichen Problemen zu machen sucht.

Frauenbewegung auch ein „Fundament für Verbundenheit und Solidarität“

Niemand, auch so genannte „unverbesserliche Frauen“ erwarten, dass Frauen heute in die Fußtapfen von Frauenbewegungen früherer Jahre treten. Trotzdem ist es angesichts der Erfahrungen dringend geboten, dass sich Frauen mit neuen Strategien, neuen Ideen engagieren. Vielleicht auch veränderte Perspektiven einbringen und dem Geschichts- und Gedächtnisverlust Einhalt gebieten. Die Geschichte der Frauenbewegung ist nicht nur eine aneinander gereihte Erfahrung von beispielhaften Ungerechtigkeiten, sondern auch ein Fundament für Verbundenheit und Solidarität gewesen. Ob Frauen damit die Welt verbessern, bzw. verbessern wollen? Im Sinne der Philosophin Hannah Arendt sicherlich. Für sie ist die Welt : „Der spezifische und meist unersetzliche Zwischenraum, der sich zwischen dem Menschen und seinen Mitmenschen bildet“.

Auf Allianzen und Koalitionen setzen

Ich werbe sehr dafür in Schritten zu planen, zu denken und zu handeln. Gesellschaftliche Angebote, wie sie jetzt angesichts der Entwicklung des demographischen Wandels gemacht werden, unumkehrbar zu verankern. Und anders als viele unsere Vorgängerinnen, die Kompromisslosigkeit noch für eine Stärke gehalten haben, sehr auf Allianzen und Koalitionen zu setzen. Angesichts der Erfahrungen, die in Jahrzehnten Schritte nach vorne und nach hinten gebracht haben, ist Einsicht und Engagement geboten.

Ulla Groskurt, ASF-Landesvorsitzende

 

 


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