Potenziale gut ausgebildeter Frauen müssen mehr genutzt werden

Gesine Multhaupt, MdB
 

Anlässlich der Aussagen des EU-Sozialkommissars Vladimir Spidla zum Gehaltsvergleich zwischen Frauen und Männern, bedauert die SPD-Bundestagsabgeordnete Gesine Multhaupt, MdB, dass viele Potenziale nicht ausgeschöpft werden.

Ziel der Gleichstellungspolitik der Bundesregierung ist es, gleiche Chancen für Frauen und Männer in allen Lebensbereichen herzustellen, dabei geht es nicht nur um die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, so die Bundestagsabgeordnete Gesine Multhaupt zu den aktuellen Aussagen der EU-Kommission.

Wir sind mit dem Abbau gesellschaftlicher Benachteiligungen einen großen Schritt vorangekommen. Mit der verbesserten Kinderbetreuung und dem Elterngeld mit Vätermonaten stärken wir die Stellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Trotzdem stellt die Europäische Kommission Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus. Im Kern: Frauen machen selten Karriere, arbeiten extrem oft in Teilzeit, und verdienen 22% weniger als Männer. Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufsfeldern und Branchen. „Mit anderen Worten: „Es ist bedauerlich, dass viele kluge und qualifizierte Frauen auch im 21. Jahrhundert ihre Potenziale nicht ausschöpfen können und sie versteckt immer noch benachteiligt werden“, so die zuständige Bildungspolitikerin der SPD-Bundestagsfraktion.

Die Aufforderung der Bundesfamilienministerin an Unternehmen, ihre Lohnsysteme offen zu legen, ist kein geeignetes Instrument mehr, kritisiert die SPD-Bundestagsabgeordnete. Vor sieben Jahren hat die damalige rot-grüne Regierung mit Spitzenverbänden der Wirtschaft vereinbart, die Chancengleichheit von Frauen im Beruf zu verbessern. Auf freiwilliger Basis ist hier wenig passiert. Wie das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) bestätigt, ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen kaum gestiegen. In der Privatwirtschaft besetzen nur ein Fünftel der Frauen einen Chefsessel, in Großunternehmen mit über 500 Beschäftigten sind es nur 4%. Der Anteil der Chefinnen mit Kind ist noch wesentlich geringer und ging sogar noch weiter zurück. Nur 15 der 160 Aktiengesellschaften in den wichtigsten deutschen Börsenindizes haben weibliche Vorstandsmitglieder. Der Frauenanteil beträgt auf der Vorstandsebene gerade einmal 2,5 Prozent.

„Wir diskutieren über Fachkräftemangel und vergeuden das Potenzial hoch qualifizierter Frauen“, so Multhaupt. Beispielsweise sind wir im Wissenschaftsbereich stolz darauf, dass die Barrieren für den Zugang junger Frauen zu einer akademischen Ausbildung 2006 fast abgebaut sind. Nahezu die Hälfte der Erstimmatrikulierten und über die Hälfte (52 Prozent) der Absolventen in 2006 sind Frauen. Im weiteren Qualifikationsprozess nimmt der Anteil der Frauen aber drastisch ab. Insgesamt sind nur 15 Prozent der Professuren weiblich, in der höchsten Besoldungsstufe sind es nur noch 11 Prozent.

Trotz aller Anstrengungen ist es in Wissenschaft und Forschung bisher nicht gelungen, die gemeinsamen gleichstellungspolitischen Ziele befriedigend zu lösen. Auch hier belegt Deutschland im europäischen Vergleich nur hintere Plätze.

Heute wissen wir, dass uns freiwillige Vereinbarungen nicht weiterhelfen. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert daher weitere Anstrengungen, um Frauen stärker an der Spitze von Hochschule und Wissenschaft zu positionieren: „Wir müssen einfach besser werden. Klare und transparente Regeln sowie verbindliche Zielvorgaben können da helfen, auch in der Privatwirtschaft“, sagt die SPD- Bundestagsabgeordnete. Diese Forderungen und Zielvorgaben finden sich wieder in einem Koalitionsantrag, der zeitnah im Parlament eingebracht werden soll.

 

 


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