Gerechtigkeit zwischen den Generationen

Ulla Groskurt (MdL), ASF-Landesvorsitzende
 

„Es ist falsch, von einer Bevorzugung der älteren Generation durch das Sozialsystem zu sprechen“, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen und Landtagsabgeordnete Ulla Groskurt . „Das eigentliche Gerechtigkeitsproblem besteht nicht zwischen den Generationen, sondern in der ungleichen Chancenverteilung innerhalb der Altersklassen,“ so Groskurt weiter. Dies zeige auch eine Analyse des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), die das Zusammenleben der Generationen im Sozialstaat und in den Familien erforscht hat.

Ulla Groskurt warnt davor, das Thema Generationengerechtigkeit anhand von Rentenhöhen abzuhandeln. Alt und Jung unterhalten innerhalb der Familien vielfältige soziale und finanzielle Beziehungen. Neben Transfers spielen Geschenke, unentgeltliche Hilfe, Pflege und Betreuung eine große Rolle. Nur öffentliche Ausgaben gegeneinander aufzurechnen, greife daher zu kurz.

Die Studie mache deutlich, dass sich kaum eine Leistung nur einer Gruppe zuordnen lasse. Als Beispiel nennt Groskurt die Pflegeversicherung, die zwar zunächst meist älteren Menschen zugute kommt, von der zugleich aber auch die Kinder profitieren, da sie von der Pflege-Aufgabe entbunden werden. Das Szenario eines drohenden Generationenkonflikts stehe im Gegensatz zu den sozialpolitischen Trends der vergangenen Jahre.

Die Experten des WZB haben analysiert, wie sich in Deutschland der Wohlfahrtsstaat von 1990 bis 2005 wandelte. Träfe die These vom Eigennutz der Generationen zu, müssten die Alten ihren Einfluss dazu eingesetzt haben, mehr vom Sozialbudget zu bekommen. Dass das Gegenteil der Fall ist, zeige die Untersuchung: In Deutschland haben sich die Gewichte zugunsten der jüngeren Generationen verschoben. Kein anderes Land habe die Familienleistungen so erhöht wie Deutschland.

Groskurt weist darauf hin, dass künftig Hilfsjobs, Teilzeitarbeit, Dumpinglöhne und zunehmend unterbrochene Beschäftigungsverhältnisse zu mehr Altersarmut führen. Fest stehe, dass künftige Rentner wegen der geänderten Rentenanpassungsformel noch weniger erhielten, da überwiegend Besserverdienende von den neuen Förderinstrumenten profitieren. Schon jetzt müssen wir etwas gegen Altersarmut tun. Es sei unverantwortlich, die Menschen sehenden Auges in die Altersarmut gehen zu lassen. Eine kluge Familienpolitik sichere auch das Rentensystem nachhaltig. Groskurt: „Es reicht nicht Familienleistungen zu erhöhen. Sie müssen auch effektiver eingesetzt werden. Jüngste Reformen, wie die Einführung des Elterngeldes und der Ausbau der Kinderbetreuung weisen dabei in die richtige Richtung.“

Der internationale Vergleich zeige, Familien mit Kindern seien dann vor Armut geschützt, wenn beide Partner über ein Erwerbseinkommen verfügen. Hätte Deutschland wie in Skandinavien eine Frauenbeschäftigungsquote von 70,4 Prozent, so würden knapp drei Millionen mehr Beitragszahler die deutschen Sozialversicherungskassen entlasten. Groskurt weiter:„Die Generationenbande sind in Deutschland sehr eng geknüpft, das bestätigt auch die Untersuchung. Viele Eltern unterstützen ihre erwachsenen Kinder oder Enkel finanziell. Wer jedoch nicht gut verdient und auch nicht dauerhaft sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, steht heute schlechter da als noch vor einigen Jahren und damit seine Kinder in der Regel auch.“

 

 


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