Schlecht verteilt

 

ASF Landesvorsitzende: Rentenpläne gehen an Frauen vorbei

In der aktuellen rentenpolitische Debatte von NRW Ministerpräsident Rüttgers als auch der Rentenkompromiss der CDU sehen vor, dass Beschäftigten mit niedrigen Einkommen eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveaus garantiert wird, wenn sie mindestens 35 Jahre in die Gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Damit steht eine entscheidende Grundregel der Rente zur Disposition: „Für jeden eingezahlten Euro gibt es eine entsprechende Rente als Gegenleistung“. Bevor allzu leichtfertig verbindliche Grundsätze der Rentensystematik über Bord geworfen werden, lohnt sich genau hinzusehen, was man sich mit dieser Entwicklung einhandelt. Expertinnen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung haben auf Basis von Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) die Auswirkungen solcher Pläne analysiert.

Ein zentrales Ergebnis: Die Koppelung an eine Versicherungszeit von 35 Jahren schließt gerade Personengruppen mit höherem Armutsrisiko von der Unterstützung aus, so die aktuelle Untersuchung.

Der Vergleich der Versicherungsjahre (beitrags- und beitragsfreie Zeiten, ohne Berücksichtigungszeiten) von Männern und Frauen, die 2006 in Rente gegangen sind, zeigt 78 Prozent der Männer kamen auf 35 und mehr Versicherungsjahre. Bei den Frauen konnten dagegen nur rund 37 Prozent diese Versicherungsdauer aufweisen. Also hätten knapp zwei Drittel der Frauen gar keinen Anspruch auf eine Förderung, obwohl Frauen in diesem Segment oft geringe eigenständige Alterseinkünfte zu erwarten haben. Besonders betroffen sind Frauen in Westdeutschland (rund 75 Prozent unter 35 Versicherungsjahren) zeigt die Studie.

„Für Frauen also schlecht verteilt“, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Ulla Groskurt. Nun gibt es ja wohl mittlerweile umfassend die Erkenntnis, dass Armut und damit auch nicht Altersarmut nicht zu akzeptieren ist. Dagegen etwas zu tun kann aber nicht Aufgabe der Rentenkasse sein. Den Gruppen, die lange Arbeitslosigkeitszeiten in ihrer Erwerbsbiographie haben hilft der Vorschlag nicht, auch nicht den Frauen unter ihnen. Solange nicht klar ist, ob dieses Geld den Steuerzahlern aufgebürdet oder den Leistungsempfängern etwas weggenommen wird, sind diese Vorschläge nicht seriös. Ein Boden der für ein Rentensystemwechsel überhaupt nicht geeignet ist.


 

 


Kommentar schreiben

Netiquette
 

Selbstverständlich beachten wir die Vorschriften des Datenschutzes.
Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Senden
 

Netiquette

Schließen
 

Unsere Internetseite soll eine Plattform für ernsthafte Diskussionen sein, bei dem Toleranz, Offenheit und Fairness zu den Grundprinzipien gehören. Wir begrüßen sachliche und konstruktive Inhalte, die zu einer angeregten Diskussion beitragen und der Meinung anderer Kommentatoren tolerant und unvoreingenommen begegnen. Wird gegen diese Grundprinzipien verstoßen, kann dies zur Löschung von Kommentaren führen.

Um bei uns zu kommentieren muss die eigene E-Mail-Adresse angegeben werden. Selbstverständlich wird diese E-Mail-Adresse nicht veröffentlicht und auch nicht an Dritte weitergegeben. Die Angabe einer falschen E-Mail-Adresse ist ein Verstoß gegen unsere Nutzungsbedingungen. Wir machen daher Stichproben, die dann zur Löschung von Kommentaren führen können. Mit Absenden des Formulars werden unsere Nutzungsbedingungen anerkannt.