Kampf um Gleichstellung noch nicht zu Ende

 

Ulla Groskurt: Frauen müssen sich ihrer Macht bewusst werden

Den internationalen Frauentag gibt es bereits seit Anfang des letzten Jahrhunderts, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Ulla Groskurt. Vor 95 Jahren kämpften die Frauen damals für ihr Wahlrecht und setzten ihre Forderung bekanntlich durch. Andere Forderungen wie „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sind größtenteils noch immer ein Wunschtraum. Dabei zeigen europäische Vergleiche, dass Deutschland, besonders was die Geschlechtergerechtigkeit im Arbeitsleben angeht, nur einen kläglichen Mittelplatz erreicht. Frauen können sich also auf ihre Errungenschaften nicht ausruhen und gerade der internationale Frauentag trägt dazu bei, der Gesellschaft zu zeigen, dass noch längst nicht alles erreicht ist. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts bis zum heutigen Tag konnten die Frauen zwar viele ihrer Ziele durchsetzen, aber es bedarf auch heute noch immer wieder einen neuen Kampf für aktuelle Probleme. Das diesjährige Motto der SPD lautet „Jetzt sind wir dran“.

Auch wenn wir uns wünschten, dieses Motto würden alle anerkennen, so zeigt doch die Erfahrung, dass wir oft allein bleiben, diese Wertvorstellungen konkret umzusetzen. Noch immer verdienen Frauen bei gleicher Qualifikation und gleicher Tätigkeit im Durchschnitt etwa 23 Prozent weniger. Besonders die Wirtschaft hat noch nicht erkannt, welches Potenzial Frauen mitbringen. Die heutige weibliche Generation ist so gut ausgebildet wie noch nie zuvor. Fast 60 Prozent der Universitätsabsolventen sind Frauen. Und trotz dieser Tatsachen finden immer noch viel zu wenige Frauen ihren Platz in Führungspositionen. Oftmals stehen ihnen die immer noch verhafteten Werteideale entgegen; sie stoßen an die „gläserne Decke“, über die hinaus ein Karriereaufstieg kaum möglich ist. Dieser Effekt wird noch zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Familienpolitik zwar frauenfreundlicher geworden ist, aber eben nicht die Mehrbelastung und Karriereeinbrüche der Mütter beseitigt. Es bedarf dringender denn je ein Gesetz zur Gleichstellung der Frauen in der Privatwirtschaft, damit Frauen aus ihrer Hinzuverdienerrolle endlich ausbrechen und selbst ein Einkommen erzielen können, welches existenzsichernd ist. „Über das Gleichstellungsgesetz in Niedersachsen, das bei den öffentlichen Arbeitgebern in vielen Belangen eine Vorreiterrolle hätte einnehmen können, verbietet es sich in diesem Zusammenhang überhaupt zu reden“, so die Landtagsabgeordnete wörtlich. Und es gibt noch weitaus mehr Bereiche, die angegangen werden müssen, um wichtige Fragen, die Frauen betreffen, lösen zu können. Eine moderne Frauenpolitik wird nur umsetzbar sein, wenn Frauen sich auch ihrer Macht bewusst sind und sich bei der Bewertung gesellschaftlicher Entwürfe von Parteien und Organisationen entsprechend orientieren. Um den Blickwinkel einer „gerechten und modernen Gesellschaft“ weiter zu transportieren, werden sicher weitere Frauentage dringend erforderlich sein, so eine Einschätzung der niedersächsischen SPD-Frauen.

 

 


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