Frauen verdienen gleiche Chancen

 

Ulla Groskurt: Nagelprobe ist die Forderung nach dem Betreuungsgeld

Das deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor gespalten ist - in einen besseren für Männer und einen schlechteren für Frauen, darauf weist die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) Niedersachsen in einer Mitteilung hin. Dass die Bundesregierung zur Gleichstellung in der Privatwirtschaft seit mittlerweile sieben Jahren auf Freiwilligkeit setzt, hat nur zu punktuellen Verbesserungen für Frauen, aber nicht zu einem Durchbruch geführt. Frauen sind in Deutschland im Erwerbsleben nach wie vor unterdurchschnittlich vertreten: Ihre Erwerbstätigenquote liegt deutlich unter der der Männer. Im Durchschnitt üben Frauen öfter als Männer geringfügige Beschäftigungen aus. Auch bei der Bezahlung ziehen Frauen den Kürzeren: Der Lohnabstand zu den deutschen Männern beträgt ganze 23 Prozent. Hinzu kommt, dass auch in den Ländern keine Fortschritte, sondern wie in Niedersachsen „Rückschritte“ in der Gleichstellungspolitik beschlossen worden sind, so die ASF-Landesvorsitzende Ulla Groskurt.

Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und der Einführung des Elterngeldes haben wir für wesentliche Verbesserungen gesorgt. Es war richtig, dass wir gegen den Willen der Konservativen den Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem ersten Geburtstag durchgesetzt haben. Der Rechtsanspruch wird künftig allen Eltern die Garantie geben, tatsächlich einen Betreuungsplatz für ihr Kind zu erhalten und so Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Ebenso richtig war die Einführung des Elterngeldes. Denn auch das hilft, starre Rollenzuweisungen aufzubrechen, indem es für Mütter weniger Anreiz bietet, lange aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Entscheidend ist auch, dass es mit dem Elterngeld für Väter erstmals auch finanziell attraktiv ist, eine Babypause einzulegen. Und das zeigt Wirkung: Ein Jahr nach seinem Inkrafttreten nehmen rund dreizehn Prozent aller Väter in Niedersachsen die Partnermonate in Anspruch. Gegenüber dem alten Erziehungsgeld ist das fast eine Verdreifachung. Dass die ASF auf den Partnermonaten beharrt hat, war richtig. Die Diffamierung dieser Regelung als "Wickelvolontariat" zeigt, dass vor allem konservative männliche Politiker sich schwer tun, Gleichstellung in Familie und Beruf zu denken. Das offenbart auch die völlig falsche Forderung von CDU und CSU nach einem Betreuungsgeld. Damit würden Rollenzuweisungen nochmals zementiert. Für die Frauen wäre das Betreuungsgeld nichts anderes als ein Taschengeld - und für die Männer kein Anreiz, sich an der Familienarbeit zu beteiligen. Frauen brauchen kein Taschengeld, weder zu Hause noch im Job. Frauen brauchen existenzsichernde Erwerbseinkommen. Wer den ganzen Tag arbeitet, muss von seinem Einkommen leben können. Deshalb ist die Forderung der ASF Niedersachsen nach allgemeinen Mindestlöhnen goldrichtig. Helfen werden Mindestlöhne vor allem den Frauen, die den Großteil der Beschäftigten im Niedriglohnbereich ausmachen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, eine Familienministerin noch keine moderne Gleichstellungspolitik. Wenn die Union unter Beweis stellen will, dass sie moderne Politik auch für Frauen macht, sollte sie endlich ihre Forderung nach einem Betreuungsgeld und ihren Widerstand gegen Mindestlöhne und weitere gesetzliche Gleichstellungsregelungen aufgeben, so die Landesvorsitzende der ASF Niedersachsen.

 

 


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