Mindestlohn geht Frauen besonders an

 

Ulla Groskurt: Jede dritte Frau bekommt Niedriglohn

In der aktuellen Debatte um die Einführung von Mindestlöhnen erklärte die Landesvorsitzende der Niedersächsischen Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) Ulla Groskurt, dass Frauen die große Mehrheit derjenigen stellen, die für Niedriglöhne arbeiteten. „Frauenarbeit ist in Deutschland auch im Jahre 2008 schlecht angesehen – Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch 22 Prozent weniger als Männer“.
In den vergangenen fünfzig Jahren habe sich kaum etwas daran geändert, dass typische Frauenarbeit immer noch schlechter bewertet und niedriger bezahlt werde und Frauen kaum Aufstiegschancen hätten. Studien der vergangenen Jahre bis hin zu aktuellen Untersuchungen haben ergeben, dass jede dritte vollzeitbeschäftigte Frau von Niedriglohn leben muss. Auch Teilzeitarbeit, ebenso wie die 400-Euro-Minijobs, sind fast ausschließlich Domänen der Frauen. Ulla Groskurt: „Das hat fatale Folgen für die Frauen. Sie können trotz Arbeit nicht von ihrem Einkommen leben und am Ende ihres Arbeitslebens erwartet sie Armut“. Deshalb brauchen wir ganz besonders im Interesse von Frauen einen gesetzlichen Mindestlohn. Frauen würden immer noch den Löwenanteil der Hilfs- und Pflegetätigkeiten ausführen, die traditionsgemäß schlecht bezahlt wird „Frauenarbeit ist in vielen Betrieben auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch weniger wert als Männerarbeit“, so Ulla Groskurt. Dies gilt für den durchschnittlichen Lohnsektor, das gilt aber auch am unteren Ende der Lohnskala.

Aus Sicht der ASF ist deshalb die Einführung eines Mindestlohns überfällig. Zwar sei es häufig so, dass Frauen von ihrem erzielten Einkommen nicht leben müssten, da sie im klassischen Sinne „dazu verdienen“ würden. Die Absicherung über einen Partner sei aber nicht stabil genug - Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung könnten dies rasch und nachhaltig ändern. Für eine Vielzahl von Frauen - gerade bei den Alleinerziehenden - sei das Mini-Einkommen aus einem Niedriglohnjob aber das einzige Einkommen.

„Im kleinen Einzelhandel, bei Discountern, im Hotel- und Gaststättengewerbe und in vielen anderen Bereichen mehr werden weniger als 5 Euro die Stunde gezahlt“, sagte Groskurt. „Davon könne man als Vollzeitbeschäftigte nicht leben. In vielen betroffenen Bereichen sind überhaupt keine verbindlichen Tarifverträge mehr vorhanden oder die Betriebe haben den Arbeitgeberverband verlassen. Frauen müssen endlich gleiche und gerechte Löhne bekommen“, forderte Ulla Groskurt. Das Thema müsse ins Zentrum der politischen Debatte gerückt werden. „Was in anderen europäischen Ländern längst Wirklichkeit geworden ist, muss auch hier in Deutschland möglich sein. Wir brauchen den Mindestlohn, gerade für die Frauen und zwar möglichst rasch“, so die ASF-Vorsitzende. Dies hat dann auch Folgen für die Rentenhöhe von Frauen, die derzeit in Deutschland bei 456 Euro im Durchschnitt liegt, während Männer 976 Euro erhalten.

 

 


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