Gleicher Lohn als gesellschaftspolitische Aufgabe

 

Ulla Groskurt: Reicht das um die Frauen wachzurütteln?

Eigentlich müsste durch die Republik ein Aufschrei gehen, anlässlich der vom EU Sozialkommissar Vladimir Spidla vorgelegten Zahlen zum Verdienstunterschied von Männern und Frauen in der Bundesrepublik, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Ulla Groskurt. Weit abgeschlagen vom Durchschnittswert in der EU von 15 Prozent verdienen die Frauen in Deutschland gleich 22 Prozent weniger und nehmen in Europa nach Zypern, Estland und der Slowakei eine traurige Spitzenposition der Ungerechtigkeit ein. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit war mal ein Motto der deutschen Frauenbewegung. Allerdings sind EU-Gesetze und Vorgaben an die Grenzen der Regulierung gestoßen.

Zuwenig ist deutlich, dass die Situation nicht an „persönlichen Einzelschicksalen von Frauen“ festgemacht werden darf sondern eine „gesellschaftspolitische Aufgabe“ von gewaltigem Umfang vor uns steht. Frankreich hat sich positiv verändert, in Großbritannien ist der statistische Lohnunterschied zwischen Frauen und Männer sogar um 6 Prozent zurückgegangen. In der Bundesrepublik habe es seit 25 Jahren keine Gesetzgebung mehr gegeben, so der EU-Kommissar, der den Frauen beim Kampf um eine gerechte Entlohnung helfen würde. Besonders alarmieren muss die Feststellung der groß angelegten wissenschaftlichen Studie, dass sich in der Bundesrepublik dieser Lohnunterschied in den letzten Jahren noch weiter verschlechtert hat und dass sich der Lohnunterschied von sieben Prozent beim Beginn des Erwerbslebens auf 30 Prozent vor der „Rente“ vergrößert.
Niedersachsen auf dem Weg in die Vergangenheit
Rufe aus dem Gewerkschaftslager nach Gesetzen die die Gleichstellung für die Privatwirtschaft fordern könnte man näher treten, wenn wir im Bereich der öffentlichen Arbeitgeber erst einmal „unsere Schularbeiten“ machen. In der Gleichberechtigung müssten die öffentlichen Verwaltungen erst einmal eine Vorreiterrolle übernehmen, so die Landtagsabgeordnete Ulla Groskurt. Die Niedersächsische Landesregierung hat ein neues Gleichberechtigungsgesetz vorgelegt, in dem Maßstäbe gesetzt werden, die sich im Unverbindlichen verlieren und Möglichkeiten bis hin zu Ausgliederungen von Abteilungen eröffnet. Angesichts des Befundes, dass schon die bisherigen Gleichstellungspläne nicht befriedigend erstellt, geschweige denn umgesetzt wurden, hilft ein bloßes Beanstandungsrecht nicht weiter. Die oder der Gleichstellungsbeauftragte, die vorher richtiger Weise – der leider vorhandenen Wirklichkeit entsprechend - eine Frauenbeauftragte war, muss nicht nur „schau´n“ dürfen, sondern muss auch Mitwirken können, auch in kleineren Verwaltungen.
Beschämende Feststellung im Europäischen Jahr der Chancengleichheit
Es genügt eben nicht nur „mit den Reden“ auf der Höhe der Zeit zu sein. Taten müssen dem folgen auch in der Gesetzgebung der Länder. Das Können ist Deutschlands größter Rohstoff. Wer Frauen durch unfaire Bezahlung und mangelnde Aufstiegschancen die Wege im Berufsleben erschwert handelt gegen die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik. Die Aussage von Spidla: „Die EU-Staaten müssen sicherstellen, dass Frauen durch die Geburt eines Kindes nicht benachteiligt würden. Es sei unbegreiflich, dass eine Frau, die bis acht Monate zu Hause bleibt, dieses noch nach 30 Jahren spürt“, ist im Europäischen Jahr der Chancengleichheit beschämend.

 

 


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