Die ersten 10 Frauen im Niedersächsischen Landtag

 

Ulla Groskurt: Persönliche Gradlinigkeit hat Wege geebnet

„In Anbetracht der Leistung der zehn Frauen, die aus allen damalig zugelassenen Parteien am 20. April 1947 in den ersten gewählten Niedersächsischen Landtag einzogen und damit ganze 6,7 Prozent der Abgeordneten ausmachten, fällt es schwer, besondere Lebenswege herauszuheben“, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Ulla Groskurt. Statistik, wie auch immer dargestellt, macht in keinem Fall die Zeit deutlich, in der sich unser Land damals befand und vor allen Dingen, in der es sich bis zum Ende des Weltkrieges unter der Nazi-Herrschaft befunden hatte. Frauen wie Männer gaben im ersten Landtagshandbuch nur in knappen Sätzen „Aufenthalte in Konzentrationslagern“ oder andere Maßnahmen wegen „illegaler politischer Arbeit“ oder „Verfolgungen und politische Benachteiligungen“ an.

Erst in später zusammengetragenen Berichten und Briefen, wie bei der Landtagsabgeordneten Martha Fuchs aus Braunschweig, wird annähernd die persönliche Situation in Deutschlands wohl dunkelster Zeit deutlich. Über ihre härteste Zeit im Konzentrationslager Ravensbrück um die Weihnachtszeit 1944 wird berichtet. Dass nur ihre Charakterstärke und ihr unbeugsamer Wille sie vor der Selbstaufgabe bewahrt haben. Später sagt sie einmal: „Viele der politisch Uninteressierten sind zerbrochen. Es hielt sie eben keine Überzeugung. Ich aber wollte leben bleiben und habe mich deshalb mit dick angeschwollenen Wasserbeinen zur Arbeit geschleppt, um nicht zur Vernichtung aussortiert zu werden“. Zehn Frauen, und selbst die fünf aus der SPD Landtagsfraktion waren so unterschiedlich, wie ihr Lebensweg, den sie bis dorthin und den sie danach in ganz verschiedene Richtungen, weiter gegangen sind. Frauen wie Martha Fuchs und natürlich auch Männer der Zeit, die in den Neuaufbau einer demokratischen Gesellschaft viel Hoffnung, Engagement und politische Gradlinigkeit eingebracht haben, haben Wege geebnet über die viele Menschen Vertrauen zur Demokratie fanden und weiter zur politischen Arbeit in demokratische Parteien gekommen sind. Der letzte persönlichen Satz, „Das Wichtigste ist, immer ein normaler Mensch zu bleiben“ der sich in einer Broschüre zum Leben von Martha Fuchs befindet, sollte und kann auch heute noch Orientierung sein, so die Landtagsabgeordnete und ASF-Vorsitzende zum 60. Jahrestag der ersten Landtagswahl in Niedersachsen.

 

 


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