Frauenwahlrecht

 

Ulla Groskurt: Am 19. Januar 1919 war es das ersten Mal

Bei der Wahl zur Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung, am 19. Januar 1919 durften die Frauen auf Reichsebene zum ersten Mal ihr passives und aktives Wahlrecht wahrnehmen, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) in Niedersachsen, in Erinnerung an eine lange und manchmal auch radikal geführte Auseinandersetzung. „Das Wahlrecht war keineswegs ein Geschenk der Männer“, so Ulla Groskurt wörtlich.

Damit würden die geschichtlichen Leistungen vieler Frauen, die in dem manchmal sehr hitzig geführten Kampf die die Gleichberechtigung einen großen Schritt voran gebracht haben, gerne „unsichtbar“ gemacht. Schon 1873 forderte die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm erstmals das Wahlrecht für Frauen. Die SPD nahm diese Forderung 1891 als erste Partei in ihr Programm auf und trug damit wesentliche Grundzüge der sehr kontroversen Auseinandersetzung. Bis 1908, als der Reichtag mit einem neuen Vereins– und Versammlungsrecht beschloss, dass sich Frauen in politischen Parteien organisieren und Mitglied werden durften, fanden sich interessierte Frauen in Agitationskommissionen, Bildungszirkeln und Nähstuben zusammen. Im gleich Jahr verfassten sie einen „Organisationsvorschlag“ der festlegte, dass die weiblichen Mitglieder entsprechend dem Verhältnis ihrer Mitgliederzahl in den Vorständen vertreten sein sollten, jedem Vorstand aber mindestens eine Frau angehören sollte. Im Grunde wurde mit diesem Vorschlag der Frauenkonferenz und der Annahme auf dem nachfolgenden SPD Parteitag die innerparteiliche Quotendiskussion eröffnet, so die ASF Landesvorsitzende. Die Frauen nahmen 1919 ihr Wahlrecht war. Nahezu 90 Prozent gingen zu den Wahlurnen, soviel wie später nie wieder. 41 Frauen wurden damals in den Reichtag gewählt, was einem Anteil von 9,6 Prozent entsprach, ein Frauenanteil der erst 1983 im Parlament wieder erreicht wurde. Die Beurteilung der Frage, in wieweit politischer Fortschritt denn „verschenkt“ wird, oder erarbeitet und erstritten werden muss, ist damals wie heute unreal. Genau deshalb ist es wichtig, sich an diesem Tag an das Engagement und dem Mut vieler Frauen zu erinnern.

 

 


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