Alleinerziehende sind Familien

 

Ulla Groskurt: Auch bei den tagtäglichen Lebensbedingungen berücksichtigen

Die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland nimmt weiter zu, so die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und stellv. Vorsitzende im Ausschuss für Soziales, Familien, Frauen und Gesundheit im Niedersächsischen Landtag, Ulla Groskurt. Die alleinige Verantwortung für Haushaltsführung, Kindererziehung und die materielle Sicherung ist eine starke Herausforderung. Nach Angaben des „Vereins allein erziehender Mütter und Väter“ lebten in Deutschland rund 2,3 Millionen Alleinerziehende mit über 3,4 Millionen Kindern. Damit wäre, so die Angaben des Verbandes, fast jede vierte Familie mit Kindern eine Einelterfamilie. Dass das zu rund 82 Prozent Frauen mit Kindern sind, ist vielleicht nicht so überraschend, so die niedersächsische ASF Vorsitzende. Ich will hier nicht übermäßig die Statistik bemühen, auf jeden Fall steht der überwiegende Teil der Alleinerziehenden unter harten finanziellen Bedingungen. Nach dem 2. Armuts- und Reichtumsbericht ist bei diesen Familien das Armutsrisiko fast dreimal so hoch, als bei Paaren mit Kindern. Genau vor diesem Hintergrund kann ich es überhaupt nicht verstehen, dass Alleinerziehende mit ihrer besonderen Belastung „als Familie“ nicht wahrgenommen werden, dass die Lebenswirklichkeit in der Realität nicht angekommen zu sein scheint.

In meinen Abfragen in ganz Niedersachsen, ist deutlich geworden, dass fast überall in Museen, Bädern, Vereinen etc. Familienvergünstigungen angeboten werden. In diesen Familienvergünstigungen sind allerdings sehr selten Angebote für eine Alleinerziehende mit Kind bzw. Kindern vorgesehen. So sind zum Beispiel für den Schwimmbadbesuch einer Familie (2 Erw. und 1 Kind) Familienermäßigungen von rund 30 Prozent durchaus die Regel. Dieses gilt allerdings nicht für eine allein erziehende Familie mit Kind, weil sie als „Familie“ nicht vorgesehen ist. Im Landesmuseum Hannover kostet die Familienkarte beispielsweise 9 Euro, vorteilhaft das hier sogar einer der selteneren Fälle vorliegt, in dem sogar bis zu drei Kinder im Familienpreis enthalten sind, immerhin eine familienfreundliche Vergünstigung von fast 50 Prozent. Das hier eine Alleinerziehende den vollen Erwachsenpreis und voll für jedes Kind bezahlen muss, ist nicht einzusehen. Letztlich setzt sich das bei Mitgliedbeiträgen in Vereinen und sogar bei Fahrpreisermäßigungen von sicherlich gut gemeinten familienfreundlichen Reiseangeboten fort, ärgert sich die Osnabrücker Landtagsabgeordnete.

Die soziale Situation Alleinerziehender und der sowieso schon existierende Druck, einen Job, die Erziehung des Kindes, Haushalt und eigene Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, sollte nicht nur zu einer stärkeren politischen Beachtung dieser Frauen und Männer führen die eine „Mammutaufgabe“ bewältigen, sondern auch dazu, die tagtäglichen Lebensbedingungen von „Alleinerziehende Familien“ mehr zu berücksichtigen.

 

 


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