Erklärung des SPD-Präsidiums zum Internationalen Frauentag

 

Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2006 erklärt das SPD-Präsidium:
Vor 95 Jahren, 1911, riefen Frauen europaweit im März erstmals zum Internationalen Frauentag auf, um auf ihre politische Situation hinzuweisen und für ihre Rechte zu kämpfen. Der SPD gehörten in diesem Jahr bereits mehr als 100.000 Frauen als Mitglieder an. In den ersten Jahren forderten die Frauen vorrangig politische und gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten, hier vor allem das aktive und passive Wahlrecht. Die Sozialdemokratie stand dabei an ihrer Seite

Finnland war das erste europäische Land, das 1906, vor 100 Jahren, Frauen das Wahlrecht gewährte; Deutschland folgte auf Initiative der SPD 1918. In anderen Ländern waren Frauen noch länger von Wahlen ausgeschlossen, in einigen sind sie es bis heute.
Zentrales Thema unserer Zeit ist eine nachhaltige Frauen- und Gleichstellungspolitik auch als unabdingbare Voraussetzung für eine in die Zukunft gerichtete und Erfolg versprechende Familienpolitik. Gleichstellungspolitik ist und bleibt eine Querschnittsaufgabe.
Frauen sind heute bestens qualifiziert. Trotzdem haben sie kaum Führungspositionen inne.
Trotz hervorragender Qualifikation sind Frauen unterdurchschnittlich erwerbstätig, erhalten bei gleichen bzw. gleichartiger Tätigkeit weniger Lohn und sind in Führungspositionen kaum zu finden. Die Frauenerwerbstätigkeit ist zwar gestiegen, das Arbeitsvolumen jedoch nicht.
Immer noch werden Frauen in Deutschland vor die Alternative gestellt, Beruf und Karriere oder Kinder. Selbst kinderlose Frauen haben schlechtere Aufstiegschancen als Männer. Wer Frauen vor die Alternative Beruf oder Familie stellt, verspielt viele Potenziale. Andere, insbesondere skandinavische Länder zeigen uns, dass eine fortschrittliche Gleichstellungspolitik die Voraussetzung für eine gute Familienpolitik ist.
Von hohen Frauenerwerbsquoten, besonders von Müttern, profitiert unsere Gesellschaft auch wirtschaftlich und sozialpolitisch, wie wieder einmal die nordeuropäischen Staaten belegen. Hierfür benötigen Frauen eine positive Arbeitsmarktperspektive und Karrierechancen. Wenn sie ihr Berufsspektrum erweitern und verstärkt zukunftsträchtige Berufe und Studienfächer wählen, erhöhen sich ihre Möglichkeiten. Auch die Umsetzung der Antidiskriminierungsrichtlinien der EU ist ein Baustein, um direkter oder indirekter Diskriminierung in der Arbeitswelt entgegenzuwirken.
Noch immer stehen Frauen, besonders wenn sie Kinder haben oder haben wollen, häufig vor der Entscheidung zwischen Berufstätigkeit und Familie. Die Vereinbarkeit zwischen Familie und Vollzeitbeschäftigung erscheint vielen Frauen unmöglich, oder die Ausübung eines Berufes wird Müttern durch Hindernisse vielfach erschwert.
Wir können es uns in Zukunft nicht mehr leisten, Frauen zuerst gut auszubilden und sie dann mit ihren Kindern ohne Chancen auf Teilhabe am Erwerbsleben zu Hause zu lassen. Geringe Einkommen und Renten, aber auch mangelnde Karrierechancen sind die Folgen.
Wir haben in den letzten Jahren bereits eine Menge angestoßen und auf den Weg gebracht, nun werden weitere Maßnahmen ergriffen, um dieser Entwicklung entgegenzutreten. Durch die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten, den Ausbau der Tagesbetreuungsplätze und die Einführung des Elterngeldes wollen wir Anreize für junge Paare schaffen, sich für Kinder zu entscheiden. Müttern soll die Möglichkeit geboten werden, weiterhin berufstätig zu bleiben und die Kinder dabei gut betreut zu wissen. Ebenso sollen Väter ermutigt werden, sich intensiv in die Kleinkindbetreuung einzubringen und auch mindestens zwei Monate Erziehungszeit zu nehmen. Wir wollen auch die bei Männern noch weit verbreitete Einstellung, Kindererziehung sei Frauensache, ändern.
Dies wollen wir durch unsere Politik erreichen und rufen dazu auf, gemeinsam mit den Frauen in unserem Land die Politik in diesem Sinne zu bewegen. Nicht nur, aber auch am Internationalen Frauentag.

 

 


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